Historischer Park Deutz

Historischer Park Deutz aus der Vogelperspektive

Der Historische Park Deutz, Teil eines neuen UNESCO-Weltkulturerbes „Niedergermanischer Limes“

Mit den Ausgrabungen durch das Römisch-Germanische Museum der Stadt Köln (RGM) von 2010-2015, insbesondere mit den Resten des spätrömischen Kastells Divitia (erbaut zwischen 310-315 n.Chr.), den überraschend gut erhaltenen Fundamenten und Grundmauern von Alt St. Urban, der ersten mittelalterlichen Pfarrkirche im rechtsrheinischen Köln, dem Wehrturm der Grafen von Berg aus dem 13. Jahrhundert und den nicht unerheblichen Resten der preußischen Festungs- und Eisenbahnanlagen hat das rechtsrheinische Köln, die „Schäl Sick“, archäologische, historische und fortifikatorische Kostbarkeiten aufzuweisen, die aufgrund ihrer hohen Qualität und unerwarteten Fülle Ihresgleichen suchen.

Nicht ohne Grund nannten Archäologen und Historiker die ersten Grabungsergebnisse aus den Jahren 2010 und 2011 sensationell, in ihrer Art einmalig. Den Fachleuten des Römisch-Germanischen Museums und der Kölner Bodendenkmalpflege erschienen diese ersten Ergebnisse so bedeutend, dass weitere archäologische Grabungen geplant und angekündigt wurden. So wurde seit 2010 der südliche Bereich der Baustelle für den neuen Deutzer Rheinboulevard wohl zu einer der größten archäologischen Grabungsflächen des Römisch-Germanischen-Museums, in der bis heute in Qualität und Fülle überraschende Befunde ans Tageslicht kamen. Offiziell wurde diese Großgrabung im Dezember 2015 beendet.

Mit großem Interesse haben wir seit 2010 diese Arbeiten der Archäologen und Grabungstechniker des RGM verfolgt, die hier bei fast jedem Wetter und oft mit bewundernswerter Ausdauer und Akribie die „Deutzer Bodenschätze“ ausgegraben, untersucht und dokumentiert haben.

Rheinseitige Kastellmauer

Rheinseitige Kastellmauer (2016) – Foto: FHPD

So wurden beispielsweise bereits im Herbst 2013 die Reste des nordwestlichen Eckturms des Kastells freigelegt, der von den Preußen als Kern für einen Turm der Stadtbefestigung von Deutz genutzt wurde, den so genannten „Schinkenkessel“. Dieser ist heute als halbrunder Balkon in der neuen Ufertreppe des Rheinboulevards zu finden. Im Frühjahr 2015 und in den Folgemonaten wurden dann bei den weiteren Grabungen auch Reste des römischen Westtores, nicht unerhebliche und gut erhaltene Teile der rheinseitigen Kastellmauer, sowie eines in der Westmauer gelegenen Zwischenturms gefunden. Nicht zu vergessen das bereits lange schon sichtbare Osttor des Kastells, über das der FHPD 2013 die Patenschaft übernommen hat. Neben den Zeugen römischer Vergangenheit, die übrigens nicht nur im Bereich des neuen Rheinboulevards, sondern auch in Form der bereits erwähnten östlichen Toranlage, zwischen der alten Abtei und dem Lanxess-Tower, in den Gewölbekellern des Seniorenzentrums, in der privaten Tiefgarage und im Boden unter dem LVR-Parkplatz an der Urbanstraße zu finden sind, erkennt man die lange Geschichte von Deutz auch an den mittelalterlichen und neuzeitlichen Funden.

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Grundmauern des Turmhauses der Kirche Alt St. Urban (2016) – Foto: FHPD

So wurde bei den Grabungen seit dem Jahr 2011 der imposante mittelalterliche Wehrturm der Grafen von Berg (13. Jhd.) gefunden, wie auch die mächtigen Fundamente und aufgehendes Mauerwerk von Alt St. Urban, der ersten Pfarrkirche von Deutz (8. bzw. 12. Jahrhundert) mit ihrem großen Pfarrfriedhof.

Die Neuzeit bzw. die Zeit der Preußen findet man in der Eisenbahndrehscheibe des alten Bahnhofs „Deutz Schiffsbrücke“, in den Resten der alten Bahn- und Befestigungsanlagen und natürlich in der leider nicht so gelungenen Präsentation des „Schinkenkessels“ in der Ufertreppe des Rheinbou-levards.

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Grundmauern des Wehrturms der Grafen von Berg aus dem 13. Jhd. – Foto: FHPD

Diese Fülle archäologischer Schätze bildet auf relativ kleinem Raum ein einmaliges Gesamtensemble, das die spannende und mehr als 1700-jährige Geschichte von Deutz, dem zweitältesten Teils der Kölner Innenstadt, erlebbar werden lässt. Daher sehen wir in einem Historischen Park auch eine willkommene Möglichkeit, Geschichtsbewusstsein und Interesse an Stadtgeschichte zu wecken oder zu verstärken. Gleichzeitig aber auch eine nicht zu unterschätzende Chance, Deutz und den Rheinboulevard in besonderer Weise aufzuwerten. Dass hier auch eine große Chance mit erkennbar nachhaltigem Mehrwert für den Tourismus im Rechtsrheinischen, für Handel, Gewerbe, Gastronomie und die Hotels in Deutz erkannt wird, sieht man nicht zuletzt an der wachsenden Unterstützung, die der FHPD in den letzten Jahren auch aus diesen Reihen erfährt.

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Zwei Bögen der alten Bahndammmauer des Bahnhofs „Deutz Schiffsbrücke“ der Bergisch-Märkischen Eisenbahn – Foto: FHPD

 

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