Historischer Park Deutz

Der historische Park Deutz, Teil eines neuen UNESCO-Weltkulturerbes „Niedergermanischer Limes“

Mit den Ausgrabungen von 2010-2013, insbesondere mit den Resten des spätrömischen Kastells Divitia (310-315 n.Chr.), den überraschend gut erhaltenen Grundmauern von Alt St. Urban, der ersten mittelalterlichen Pfarrkirche im rechtsrheinischen Köln, dem Wehrturm der Grafen von Berg aus dem 12. Jahrhundert und den nicht unerheblichen Resten der preußischen Festungs- und Eisenbahnanlagen hat das rechtsrheinische Köln, die „Schäl Sick“, archäologische, historische und fortifikatorische Kostbarkeiten aufzuweisen, die aufgrund ihrer hohen Qualität und unerwarteten Fülle Ihresgleichen suchen.

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Grundmauern der ersten rechtsrheinischen Pfarrkirche Alt St. Urban (12. Jhd.)

Nicht ohne Grund nannten Archäologen und Historiker die ersten Grabungsergebnisse sensationell, in ihrer Art einmalig und kündigten weitere, umfangreichere Untersuchungen an. Den Fachleuten des Römisch-Germanischen Museums und der Kölner Bodendenkmalpflege erschienen diese ersten Ergebnisse so bedeutend, dass im Rahmen der vorbereitenden Arbeiten zur Erneuerung des Hochwasserschutzes und der Planungen zum Bau des neuen Rheinboulevards von Deutz, weitere archäologische Grabungen in einem Areal von dann insgesamt etwa 4.000 m² angekündigt wurden, die bisher aber leider wegen der bekannt angespannten Haushaltslage der Stadt Köln nicht im geplanten Umfang durchgeführt werden konnten. Allerdings unternehmen die Archäologen des Römisch-Germanischen Museums seit dem Frühjahr 2014 im Bereich der Eisenbahndrehscheibe wieder s.g. Notgrabungen, bei denen weitere römische, mittelalterliche und neuzeitliche Funde gemacht und untersucht werden.  Auch jetzt ist man wieder überrascht über Fülle und Qualität der bei diesen Grabungen vorgefundenen Archäologie von Deutz.

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Die Eisenbahndrehscheibe des Deutzer Bahnhofs „Schiffsbrücke“ der Bergisch-Märkischen-Eisenbahngesellschaft (BME) auf den Grundmauern von Alt St. Urban, der ersten mittelalterlichen Pfarrkirche von Deutz. – Frühjahr 2014

Bei den verschiedensten öffentlichen Veranstaltungen der letzten vier Jahre, nicht zuletzt im Moderationsverfahren der Stadt Köln zum Thema „Rheinboulevard & Historischer Park Deutz“, das auf Anregung des Fördervereins Historischer Park Deutz e.V. (damals noch Bürgerinitiative BID) ins Leben gerufen und im Dezember 2011 unter der Leitung des renommierten Archäologen Professor Dr. Heinz Günter Horn erfolgreich abgeschlossen wurde, ist immer wieder und mit größter Übereinstimmung aller Beteiligten, der enorm hohe historische Wert dieses einmaligen archäologischen Ensembles am Deutzer Rheinufer festgestellt worden. So kam es dann auch am 14.07.2011 im Kölner Stadtrat zu dem für Deutz sicher historisch bedeutsamen und mit großer Mehrheit getragenen Ratsbeschluss, der heute als Geburtsstunde des Historischen Parks Deutz gesehen werden kann. In dieser Sitzung beschließt der Kölner Stadtrat mit ausdrücklicher Zustimmung des Oberbürgermeisters u.a. die bauliche Integration der archäologischen Funde im Bauvorhaben Rheinboulevard auf einer Fläche von 3.000 m², eine Sanierung bzw. Restaurierung der sichtbaren Elemente und eine Verfahrensbeteiligung der Öffentlichkeit. Außerdem beauftragt der Rat die Verwaltung alle Möglichkeiten der Förderung auszuschöpfen und nach vorliegender Förderzusagen die Grabung fortzusetzen. Auf einen Beschluss zur Realisierung des Historischen Parks Deutz in einem erweiterten Planungsbereich hat der Stadtrat im Juli 2011 mit Hinweis auf die Haushaltssituation der Stadt jedoch leider „bis auf Weiteres“ verzichtet.

Heute stellt sich allerdings die Frage, ob dieser Ratsbeschluss bisher vollumfänglich oder auch nur in Teilbereichen umgesetzt wurde, ob beispielsweise tatsächlich alle Möglichkeiten der Förderung durch Land, Bund, Europäische Union oder private Investoren geprüft wurden. Wäre es nicht auch für den einen oder anderen neuen Mieter im neuen max Cologne-Komplex ganz interessant das nähere Umfeld, den eigenen „Vorgarten“, mitzugestalten und hier Aufgaben zu übernehmen? Bei der Frage der Finanzierung des Projektes „Historischer Park Deutz“ wurde bisher seitens der Verantwortlichen leider immer nur über Mittel in Verbindung mit dem Regionale 2010-Projekt „Rheinboulevard“ gesprochen. Dass es da keine Aufstockung der Landesmittel geben kann ist nachvollziehbar. Allerdings müssen hier zukünftig zwei voneinander unabhängige Projekte der Stadtentwicklung gesehen werden, die zwar ihre gemeinsamen Schnittpunkte haben, aber zwei eigenständige Projekte sind, die auch unabhängig voneinander angegangen werden müssen.
Für das Projekt Historischer Park Deutz, das weit über die räumlichen Planungen des Rheinboulevards hinausgeht, nämlich vom Rheinboulevard bis zur Mindener Straße, werden ganz andere und vom Vorhaben Rheinboulevard unabhängige Finanzierungsmodelle entwickelt werden können und müssen. Das ist bisher allerdings nicht geschehen, obwohl aus Düsseldorf bereits deutlich die Möglichkeit der Förderung aus Landesmitteln  für ein Projekt „Historischer Park Deutz“ signalisiert worden ist.

Was in den letzten Monaten bei allen Überlegungen und Planungen in Politik und Verwaltung zu wenig Beachtung gefunden hat, nicht zuletzt beim Beschluss des Stadtrates vom 30.04.2013, ist die Tatsache, dass das spätrömische Kastell Divitia im Historischen Park Deutz in einigen Jahren ein Teil eines neuen UNESCO-Weltkulturerbes sein wird. Eine internationale Gruppe unter Federführung der Niederlande bemüht sich nämlich seit geraumer Zeit um die Aufnahme des Niedergermanischen-Limes in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. Hier wäre das spätrömische Kastell Divitia in Deutz ein wichtiger, wenn nicht sogar historisch gesehen einer der wichtigsten Bestandteile, was bei allen weiteren Planungen zur Gestaltung des Deutzer Rheinufers unbedingt und im Interesse und zum Wohle der Stadt und seiner Bürger Berücksichtigung finden muss. Bei den aktuellen Gestaltungsvorschlägen wurde dies bisher jedoch nicht ausreichend getan. Hier liegt der Fehler schon im Ansatz, da die Planung des Rheinboulevards mit der alles dominierenden Ufertreppe absolute Priorität hat. Der Umgang mit Archäologie und Historie rangiert da erstaunlicher Weise erst auf Platz zwei und wird, nach Ansicht vieler in die Planungen involvierter Bürger und Fachleute, in beängstigender Weise vernachlässigt. Dabei könnte Köln hier mit anderen Prioritäten und einer den Gegebenheiten angepassten Themengewichtung etwas Einmaliges schaffen.

Das Deutzer Rheinufer könnte zu einem Stadtraum mit besonders hoher städtebaulicher Qualität werden. Durch verstärkte Einbeziehung der Archäologie könnte hier ein spannender Erlebnisraum und ein weiterer Touristenmagnet geschaffen werden, der neugierig macht und zum Verweilen einlädt. Ein sicher nicht zu unterschätzender Mehrwert für den neuen Rheinboulevard, für Köln und Deutz! Mit dem Beschluss vom 30.04.2013, der zwar die Integration einiger archäologischer Befunde im neuen Rheinboulevard vorsieht, aber ausdrücklich die Darstellung des spätrömischen Kastells als Teil eines künftigen UNESCO-Welterbes ausschließt, hat der Kölner Stadtrat nicht nur eine Chance vertan, sondern entgegen aller Empfehlungen aus Kreisen von Archäologie, Denkmalpflege und Stadtplanung falsche städtebauliche Weichen gestellt.

Es bleibt nur zu hoffen, dass der zur Zeit sicher notwendige Zwang zum Sparen keine Lösungen hervorbringen wird, die einer abschnittweisen Weiterentwicklung und einem Ausbau eines Historischen Park Deutz im Wege stehen und Veränderungen unmöglich machen oder erschweren. Ein weiterer „Rückbau“ oder das Zuschütten und Versiegeln der archäologischen Befunde von Deutz mit Beton und Edelasphalt würden zwar möglicherweise dem Denkmalschutz entsprechen, nicht aber einem verantwortungsvollen Umgang mit unserem äußerst wertvollen und erhaltenswerten historischen Erbe in Deutz. Außerdem würden sie einer funktionierenden und erlebbaren Darstellung des römischen Kastells Divitia in einem UNESCO-Welterbe in erheblichem Umfang entgegenstehen.

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Ausschnitt der Anlage zum Ratsbeschluss vom 30.04.2013 (Bild: Planorama, Berlin)

Mit diesem Entwurf einer äußerst minimalistischen Integration der Archäologie im neuen Deutzer Rheinboulevard, ohne jede Darstellung des spätrömischen Kastells Divitia und Alt St. Urban, der ersten Pfarrkirche von Deutz, kann eine Vermittlung von Geschichte in einem zukünftigen UNESCO-Welterbe hier nicht funktionieren. Deutz, als rechtsrheinischer Teil der Kölner Innenstadt, würde um die Chance einer kulturellen und touristischen Attraktion gebracht.

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